Mittwoch, 21. April 2010

Ab in den Süden







Nach Ostern bin ich dann noch mit zwei Freunden nach Gran Canaria gefahren. Fantastische Insel. Leider etwas touristisch. Vor allem Deutsche sind schon sehr präsent. Alle Karten sind auf deutsch und sogar die Schilder am Flughafen schreiben als erstes "Ausgang", dann "Exit" und als letztes erst "Salida".



Wir hatten uns in einem Bungalow in Maspalomas (span.: "Mehr-Tauben", lat.-am. auch: "Mehr-Popcorn") eingebucht, welcher meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Falls irgendjemand also mal nach Gran Canaria fährt: Maspalomas Bungalow Club I.
Außerdem haben wir uns ein Auto gemietet und dieses auch ausgiebig genutzt und über die gesamte Insel gefahren. Da gibt es entzückende kleine Dörfer, welche mehr an Cuba als Spanien erinnern und überraschend große, gothische Kathedralen beherbergen, welche erst vor 40 Jahren fertig gestellt wurden. Außerdem finden sich atemberaubende Küsten und prähistorische Höhlen. Auch die Altstadt von Las Palmas ist sehenswert.



Maspalomas besitzt einen Strand, welcher aus einem riesigen Gebiet von bis zu 50m hohen Sanddünen besteht. Da fühlt man sich wie in der Wüste wenn man ringsherum nichts als Sand und die Berge in weiter Ferne sieht. Von den Dünen aus kann man jedoch den Farbkontrast und dem sattem Gelb des Sandes und dem dunklen Blau des Meeres genießen.













Am dritten Tag haben wir einen Ausflug über die komplette Insel gemacht. Erst nördlich zum Inselmittelpunkt auf 1500 Meter rauf. Dort oben mitten in den Pinienwäldern kann man sich dann gar nicht mehr vorstellen, dass nur einige Kilometer südlich diese Wüste steht.
Die Landschaft in den Bergen ist mehr als erstaunlich und dabei noch unheimlich abwechslungsreich. Von der Steppe gehts durch riesige Täler mit zu den Wäldern ganz oben und dann durch dunkle Steinschluchten zur Küste wo die Sonne untergeht. An dem einen Tag haben wir insgesamt 500 Fotos geschossen.



Bones Pascues!





Über Ostern haben mich meine Eltern und mein Bruder besucht. Das ist dann quasi Familienurlaub unter eigener Leitung und demnach reichlich ungewohnt. Wollte ja auch in der kurzen Zeit möglichst viel von "meiner" Stadt zeigen. Das alte Stadtviertel muss man natürlich gesehen haben; durch die Turia gelaufen sein; Paella, Churros und Horchata probiert haben; die Osterprozesionen, das Oceanografico und eine Flamenco-Show gesehen haben.

Das Oceanografico ist das hiesige Aquarium in welchem ich ebenfalls zum ersten mal war. Wegen Ostern war es ziemlich voll und man hätte sich knapp zwei Stunden für die Delphinshow in eine Schlange stellen müssen, aber auch der Rest ist problemlos tagesfüllend und tatsächlich sehr beeindruckend. Wenn so ein 3m-Hai über einen hinwegschwimmt - das hat schon was.
Außerdem haben wir am Sonntag einen Ausflug zu einem kleinen Dörfchen in der Umgebung gemacht, welches eine liebevoll restaurierte mittelalterliche Burg besitzt und auch sonst absolut sehenswert ist.

Nachholbedarf Fallas

Irgendwann muss man ja wieder anfangen. Auch wenn man nicht wahrhaben will, dass schon wieder mehr als ein Monat um ist. Die einzelnen Einträge werden wohl dafür etwas kürzer aber ich werde versuchen, dafür in Zukunft wieder öfters was von mir hören zu lassen.

Das Wochenende vor den Fallas bin ich allerdings der Stadt entflohen und nach Denia gefahren. Das bei Nordeuropä
ern beliebte Feriendorf liegt eine stunde südlich und besitzt einen 800 Meter hohen Berg namens "Montgó", auf welchen wir eine Wanderung mit einem dutzend Freiwilligen aus dem Chor gemacht haben. Das Wetter war uns nicht komplett dreundlich gestimmt aber ich habe gemerkt, dass mir die Alpen ganz schön abgehen und ich unbedingt öfters auf ein paar Hügel hier in der Umgebung steigen muss.

Fallas also. Muss man wirklich erlebt haben. Die ganze Stadt ist eine Woche lang im Ausnahmezustand. Ununterbrochen wird irgendwo geballert und der komplette Nachwuchs der Stadt verbringt den ganzen Tag damit, dir Böller vor die Füße zu werfen. Wer noch die einen dreiährigen mit Sprengstoff und einem Feuerzeug in der Hand gesehen hat sollte mal die Fallas besuchen.


Und nicht nur die kleinen Ballern. Jeden Tag um 2 gibt es auf dem Rathausplatz eine "Mascletá". Das ist ein Feuerwerk am hellichten Tag allerdings ohne viel Farbe sondern einfach nur mit viel Lärm. Zu dem zehnminütigem Spektakel drängen sich innerhalb weniger Minuten tausende von Menschen auf den Platz um sich volldröhnen zu lassen. Nach dem Finale, das die Scheiben klirren lässt verziehen sich dann alle wieder un 10 Minuten später ist der Platz wieder leer. Mir ist bis heute schleierhaft wo in so kurzer Zeit so viele Leute herkommen und wohin die sich so schnell alle wieder verziehen. Aber für die Spanier ist das ganz normal. Außerdem gibt es jede Nacht ein halbstündiges "richtiges" Feuerwerk, zu welchem sich noch mehr Menschen versammeln und eine Fläche von mehreren Fußballplätzen so verstopfen, dass man einfach keine Chance mehr hat durchzukommen. Egal, wie sehr man schiebt.

Ein weiteres eindeutiges Indiz dafür, dass die Fallas begonnen haben sind die Unmengen an Neon-verhangenen Straßenverkaufsständen für "Chocolate con Churros" und "Buñuelos". Das sind Schmalzgebäcke mit einer Pudding-artigen heißen Schockolade und die Buden stehen alle 100m. Allerdings hab ich mir schnell eine Überdosis eingefahren und für die ganze restliche Woche dem Fett komplett abgeschworen (zumindest von 9 bis 4 Uhr morgens).

Das wichtigste der ganzen Angelegenheit sind aber natürlich die "Fallas" selber. Dabei handelt es sich um bis zu 20m hohe knallbunte Statuen vorzugsweise aus Holz und Pappmasché. Hab mir sagen lassen, dass davon an die 400 in der Stadt rumstehen - die kleinen mitgerechnet. Diese und alle Feiereien außenrum werden von den über 150 Fallas Vereinen veranstaltet, die sich die Statuen gerne mal 100-500 tausend Euro kosten lassen. Seit kurzen ist eine halbe Millionen die vorgeschriebene Obergrenze, um den Wettbewerb um die schönste Statue ein bisschen ausgeglichener zu machen. Davor waren die Dinger wohl nochmal um einiges teurer und größer.
Jedes Fallas widmet sich einen Thema (welches sich mir aber in den seltesten Fällen erschlossen hat) und verarscht meistens öffentliche Persönlichkeiten oder Einrichtungen. Viele haben sich dieses Jahr um die Wirtschaftskrise gedreht und ich habe sogar Frau Merkel in einer Fallas entdeckt.
Die krotesken Kunstwerke stehen dann vier Tag auf den Plätzen und Straßen mitten in der Stadt und legen dort den Verkehr komplett lahm. Und als Höhepunkt werden sie am Freitag festlich verbrannt. Da fasst man sich dann unbewusst mehrmals an den Kopf.

Aber damit nicht genug mit dem Größenwahn. Tagsüber laufen die Fallas Vereine der ganzen Region in endlosen Zügen durch die Straßen und bringen 50 Tonnen Blumen zu einer riesigen Marien-Statue, welche mit diesen geschmückt wird. Die Blumen werden dazu von Spezialflugzeugen aus der ganzen Welt angeflogen und die Vereine Busladungs-weise eingefahren. Dazu wird dann kurzerhand eine mehrspurige Hauptverkehrsstraße in einen riesigen Busparkplatz umgewandelt. Dabei muss man wirklich bemerken, dass es beeindruckend ist, wie reibungslos diese Unmengen an Massenveranstaltungen ablaufen.
Von 2 Uhr Nachmittags bis ein Uhr nachts laufen dann also Jung und Alt, Mädels und Buben, alle in valencianischer Tracht durch die Straßen. Und das drei Tage lang. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen.

Mittwoch, 3. März 2010

Empezó!

Das schmälst (bayr.: schmalste) Haus der Welt steht wohl in Valencia. Ein bisschen mehr als ein Meter. Hab ich jetzt nicht nachgeschaut ob das stimmt...

Lissabon

.. war mal sehr dezent. Ich habe mich sofort in die kleinen Straßenbahnen verliebt, die durch lächerlich kleine Gassen eine beeindruckende Steigung überwinden. Ansonsten bietet die Stadt ein komplett chaotisches Altstadtlabyrinth aus dem achten Jahrhundert; ein freistehender 50m-Aufzug, der ins den höhergelegenen Stadtteil führt; eine gothische Kirchenruine, die zur nur zu einem Viertel wieder aufgebaut wurde; eine Ungetüm von einer Autobahnbrücke mitten durch - bzw. über - der Stadt; ein verkehrsberuhigtes Viertel mit rechtwinkligen Straßen und einer Bar in jedem Haus; und eine gut erhaltene Burgruine inklusive verschlugenen Mauer-Pfaden, wie Kaninchen schlafende Katzen und Pfauen; und komplett weiß gepflasterten Gehwegen.
Das einzig nervende ist, dass man tags- wie auch nachtsüber in jeder zweiten Straße alle 20 Meter von einem teilweise recht penetranten Junkie belästigt wird: "Haaaaaaschhhhh? Crack? Women?"



Wenn man erst mal herausgefunden hat, welche Straßen das sind und sich dann von ihnen fern halten kann, gibt es überhaupt gar nichts mehr (nicht mal 6° und Regen), was einem davon abhalten kann, diese Stadt zu genießen. Hab meinen ersten Nachmittag in den verschlungenen Gassen von Alfama verbracht, wo die Häuser wirken, als seien sie gewachsen statt gebaut worden. Am Abend kam dann Hannes aus Porto an und wir haben nach Erkundung der portugiesischen Küche extrem-barhopping im Chiado gemacht, welches dafür ein unvorstellbar großes Angebot bereithält. In einer von diesen haben wir dann zwei Schweizerinnen kennengelernt, die den gleichen Sport betrieben und sich uns anschließen. Und wie's einem manchmal so spielt, führte unser Weg ausgerechnet als nächstes zur "Heidi" Bar. Komplett Holz-vertafelt, mit Kunstgras an den Wänden nebst einem 5x5m Gemälde des Matterhorns. Anlässlich des Karnevals haben auch noch die meisten Besucher in bizarren Heidi-Kostümen, was alles genügend Grund war, um dort den Rest des Abends zu bleiben.


Dann erst mal ausgeschlafen und das überraschend gute Wetter für einen ausgedehnten sechsstündigen Spaziergang zum "Denkmal der Entdeckungen" genutzt. Dabei sind wir wirklich mal quer durch die ganze Stadt gelaufen und haben so Lissabon außerhalb des Touri-Zentrums als eine unheimlich gemütliche Stadt kennengelernt. Dann noch eine Pause in der Sonne am Flussufer, einen Bekannten aus Barcelona getroffen und zurück mit dem Bus für eine sehr gemütliche Rundfahrt in einer dieser kleinen Holz-Straßenbahnen.
Am Abend hat und dann unser plötzliches Verlange nach Noodles und Google Maps in das wohl geilste Restaurant Lissabons geführt, das einfach mal genau extakt das hatte, wonach es uns beiden war. Und dazu auch noch unglaublich gut, sodass wir am Sonntag Abend gleich nochmal hin sind ;)
Anschließend natürlich wieder ins Chaido, wo noch unzählige unerforschte Bars auf uns warteten. Dank des ausbleibenden Regens war es aber sehr schnell sehr viel lustiger, das Bier mit raus auf die Straßen zu nehmen, die komplett voll mit Karnevals-Narren waren. Sogar den Schweizern sind wir wieder über den Weg gelaufen. Zufällig (oder Hannes?).


Den Sonntag haben wir dann hauptsächlich auf der Burg "Sao Jorge", welche mitten in der Stadt steht und wo man auch dem zurückgekehrten Regen verzeihen konnte. Anschließend durch Alfama geschlendert und dann vor dem allzu starken Regen in einem recht stylischen Café versteckt. Und weil es einfach nicht aufhörte sind wir den Abend in einer gemütlichen Jazz-Bar geblieben bevor es am näcshsten morgen zurück ging.

Madrid

Nach einer seeeehr gemütlichen Woche habe ich dann das nächste Wochenende in Madrid verbracht, wohin ich eine Gruppe von Kunst-Studenten begleitet habe, die dort wegen der Arco, einer Messe für zeitgenössische Kunst hin sind. Auch hier allerdings kein Glück mit dem Wetter. Vor allem im Vergleich zu Lissabon haben die sehr breiten Straßen mit ihren monumentalistischen Gebäuden schwer beeindruckt. Außerdem die Stadt der 1001 Museen und einem wunderschönen Park inklusive Ruderboote-See.

So sind wir den Freitag Nachmittag durch die Stadt gelaufen und ich habe das erste Mal "Churro con Chocolate" probiert, was es auch in Valencia gibt, aber wofür Madrid bekannt ist. Das Zeug ist der absolute Hammer. Das war die dickste Schokolade, die ich jemals getrunken habe. Bei uns würde das eindeutig unter Pudding laufen. Aber soooooo gut. Am Samstag dann das erste mal auf einer Kunstmesse. Hat mir nicht schlecht gefallen. Dachte allerdings, dass zeitgenössische Kunst gleichbedeutend mit schrill, ausgefallen und schockierend ist. Das war allerdings eher die Ausnahme und es gab viele Stücke, die mir wirklich gut gefallen haben (Fotos folgen).
Den restlichen Samstag habe ich die Sonne im Park genossen und am Abend die Bar-Landschaft Madrids erkundet. Das Wetter Sonntag hat dann mich dann schnell zum Ausschlafen überredet, wodurch ich dann nicht mehr Zeit hatte, als mir die Nachbarschaft des Hotels anzuschaun bevor der Bus ging. Das lag ein bisschen weiter draußen und ich habe wie in Lissabon gemerkt, dass es hoch interessant ist sich die Städte auch außerhalb des Zentrum anzuschauen.

Vorbeb
en

Bis zu den "Las Fallas" - dem mit Abstand größten Fest in Valencia, über das ich sicher noch ausführlich berichten werde - sind es zwar noch drei Wochen hin, aber die täglichen "mascletas" (eine "Synphonie" aus Feuerwekskrachern) beginnen schon einen Monat vorher und am Sonntag gabs sowas wie ein Kick-Off. "Schau ich mal hin" hab ich mir da gedacht und bin um kurz nach sechs hin. Der Turm war auch hübsch beleuchtet und ein paar Leute waren auch schon da und haben der gute-Laune-Cover-Band zugehört. Ich habe mir einen gemütlichen Platz auf der Mauer gesucht und das Spektakel beobachtet. Überall waren Gruppen in gleichen Farben um einen Banner versammelt, die besonders viel Spaß hatten. Der Zustrom von Menschen war beachtlich und blieb es für zwei Stunden. Ohne es zu bemerken befand ich mich plötzlich in einem See von Menschen. Sicher um die 20 tausend. Alle am feiern. Dicht gedrängt. Mit jedem Ausruf der Ansprachen in wildem Gejubel ausbrechend. Und da ich eigentlich keine andere Massenveranstaltung als die Wiesn kenne war das einfach mal das beeindruckendste, was ich in dieser Richtung je gesehen werde. Ich bin mal sehr gespannt auf die nächsten Wochen.



Nerd-Alert

Das war jetzt schon ne Menge Text, aber vielleicht ist ja jemanden aufgefallen, dass ich ausschließlich meine letzten drei Wochenenden erzählt habe und über die dazwischenliegenden Wochen sehr wenige Worte verloren habe. Eigentlich hätte ich mich ja um mein Studium kümmern sollen. Also Fächer anerkennen lassen. Diplomarbeitsbetreuer suchen usw. Das alles habe ich nicht gemacht. Statt dessen habe ich fast jede freie Minute, die ich hatte in die Verwirklichung einer Idee investiert, von der ich in den letzten Tagen regelrecht besessen war. Bis dahin, dass ich an nichts anderes denken konnte. Nicht schlafen konnte. Davon geträumt habe. Das hat es dann wohl endgültig entschieden. Im tiefsten inneren meiner Seele bin ich ein unglaublicher Nerd. Andere Menschen verlieben sich in hübsche Mädchen, ich in eine nerdige Idee. Vielleicht gibt es ja irgendjemanden, der das nachvollziehen kann. Mich hat es auf jeden Fall sehr überrascht und ich habe so etwas nicht mehr erlebt, seitdem mich meine Schwester vor fünf Jahren angerufen hat und fragte ob ich grad Zeit hätte, um eine Webseite für ihren neuen Film zu machen.
Auf jeden Fall bin ich heute fertig geworden und habe dem Ergebnis den Namen Subber gegeben. In nächster Zeit werde ich erkundschaften, ob es zu irgendetwas taugt. Sollte ich zu diesem Schluss kommen, werde ich wohl nochmal darüber schreiben. Ansonsten waren es ein paar sehr intensive Tage.

Montag, 15. Februar 2010

Cuanto tiempo

Schon einen ganzen Monat zurück in Spanien und hab noch immer nichts von mir hören lassen... tztztz. Das wird hiermit jetzt endlich mal geändert. Könnte jetzt allerdings ein bisschen länger dauern...


Heimaturlaub
Über Weihnachten war über drei Wochen dahoam. Dachte, ich spar mir ein bisschen und bin von Alicante (150km südlich von Valencia) nach Memmingen geflogen. Wollt mal sehen ob sich's lohnt. Das tut es sich allerdings ganz und gar nicht. Auf der Hin- und Rückreise war ich jeweils 12 Stunden unterwegs. Das ist es einfach nicht wert. Nach unserem Chorauftritt der Feier desselbigen mit unglaublich leckeren Häppchen hab ich mich um kurz nach Mitternacht in den letzten Bus nach Alicante gesetzt. Dort um drei Uhr morgens angekommen, konnte ich mir zum Glück ein Taxi mit ein paar anderen Deutschen mit dem gleichen Ziel teilen. Das Allgäu hat mich dann mit weihnachtlichen minus zehn Grad (zwanzig weniger als in Valencia) und dicken Schneeflocken empfangen. Zum Glück war mein Bruder so nett, mich in "Munich-West" abzuholen, sonst wäre ich wahrscheinlich noch weit später als 12 Uhr mittags in meinem Zimmer angekommen.

Nach vier Monaten Spanien wieder nach hause zu kommen ist wahrhaftig ein sehr merkwürdiges Gefühl. Es war fast so, als wäre ich nie weg gewesen und die ganzen letzten Wochen nur ein langer Traum. Bis auf ein paar neue Fotos auf dem Fensterbrett war auch alles noch haargenauso wie ich es verlassen hatte.
Richtig merkwürdig wurde es dann erst, als mein Fahrrad wieder flott machte und in die Stadt fuhr für einen kleinen Geschenke-Marathon. Anscheinend war ich halt doch gewohnt, dass alle Menschen auf der Straße eine andere Sprache sprechen und ich eigentlich nie etwas von den Wortfetzen verstehe. Dadurch bin ich recht sensibel für Wortzfetzen in meiner Muttersprache geworden und war nun etwas überfordert. Es dauerte ungefähr eine Woche bis ich mich genügend desensibilisiert hatte um mich nicht mehr nach jedem deutsch-sprechenden Passanten umzudrehen.

Für den 22. hatte ich ein Klassentreffen organisiert. Ich hätte jeden für verrückt erklärt, der mir vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich sowas mal machen würde, aber durch die Ferne und da es jetzt eine halbe Dekade her ist, ich gerade mein Studium abschließe und blablabla hatte ich irgendwie das Gefühl, es könnte ganz lustig sein, die alle mal wieder zu sehen. Das habe ich dann nochmal heftig bezweifelt aber es war dann doch ein recht lustiger Abend. Eigentlich genauso wie die Abende in der Kollegstufe und es hat sich auch wirklich kein einziger von den Anwesenden nur ein bisschen verändert. Bis auf Harald, der fast keine Haare mehr hat und Magdalena, die ihre Piercings losgeworden ist.

Weihnachten dann in der Schweiz, wo es Heiligabend tatsächlich geregnet hat. Das wurde aber schnell zu sehr dezentem Schnee, den ich drei Tage lange ausgiebig genossen habe. Silvester in Berlin. Der 30. war mit einer mehrstündigen Schneeballschlacht mal wieder sehr viel lustiger als der 31., an dem ich herausgefunden habe, dass es auch Berliner gibt, die sich wie Münchner aufführen.

Neujahr habe ich mich sehr gefreut, fast zwei Wochen in meiner Lieblingsstadt zu verbringen. War viel im Englischen Garten, zweimal Skifahren, einmal Schlittenfahren, habe den Winter genossen und überhaupt nicht an meine Prüfungen gedacht, die mir bevorstanden.



Die letzen
Von denen hatte ich nämlich zwei zu schreiben, zwei Arbeiten abzugeben und ein Projektpraktikum abzuschließen. Ich komme natürlich nicht umhin zu bemerken, dass es sich bei besagten um die letzten Prüfungen meines Diplomstudiums handelten. Dazu musste ich sie allerdings auch bestehen, was mich dazu gezwungen hat, dass ich den gesamten restlichen Januar, wenn nicht in einer Chorprobe, in meinem Zimmer verbrachte.
Hat sich allerdings ausgezahlt. Mittlerweile habe ich alle Noten beisammen und auch eigentlich ganz ordentlich abgeschnitten bis auf eine 4. Das ist eine 5 von maximal 10 Punkten im spanischen Notensystem. Das "ganz ordentlich" bezieht sich übrigens ebenfalls auf dieses System, was sich bei weitem nicht linear ins deutsche übertragen lässt, da der Noten Durchschnitt hier generell geringer ist und ab 8 Punkten stark differenziert wird.
Jetzt muss ich also "nur noch" die Fächer an der TU anerkannt bekommen und noch ein Betreuer hier für meine Doplomarbeit finden. Ich München hab ich schon einen aber hier stehe ich damit noch ziemlich am Anfang.

Lieder aus dem Wald
Von den erwähnten Chorproben gab es übrigens reichlich. Da wir nur etwas mehr als drei Wochen hatten, um Sosztakovics "Waldlied" (Canto de los bosques) einzustudieren haben wir uns jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag zwei bis drei Stunden dem trällern gewidmet. Immerhin ging es hier darum, sich auf ein Konzert im Palau de la Musica vorzubereiten, wobei es sich um den wichtigsten Konzertsaal Valencias handelt.
Dort aufzutreten war dann tatsächlich erinnerungswürdig. Unterstützt wurden wir vom Chor, Kinderchor und Orchester des Konservatotiums womit wir ein stattliche Größe besaßen. Der Saal war voll und da ich mich in der Zwischenzeit in die russischen Klänge eingehört hatte, konnte ich das Konzert richtig genießen. Ich musste außerdem dran denken, wie ich im Oktober auf genau dem gleichen Platz als Zuschauer saß und mir dachte, dass ich normalerweise singe, wenn ich hinter dem Orchester sitze, aber wahrscheinlich nie in diesem Saal singen werde.

Und da das anscheinend noch nicht genug war, sangen wir außerdem eine Messe in dem kleinen Dorf Bocairent, welches wildromantisch mitten in den Bergen auf der Spitze eines kleines Hügels liegt. Dort feierte man den Schutzpatron des Dorfes Sant Blas. Das ist dort der wichtigste Feiertag des Jahrs und so verkleidet sich das ganze Dorf nach verschiedenen Gruppen mit jeweils den gleichen mittelalterlich-knallbunten Kostümen. Alle Straßen und die ganze Kirche waren somit enorm farbenfroh und von Massen ausgefüllt und ich habe meinen ersten spanisch/valencianischen Gottestdienst erlebt.


Kleine Auszeit
Seitdem gönne ich mir meine "Semesterferien". Tatsächlich gingen die Vorlesungen letzte Woche schon wieder los. Bin aber zuversichtlich, dass ich meine Fächer anerkannt bekomme und widme mich daher aussschließlich meiner Diplomarbeit.

Und gerade bin ich in Lissabon angekommen, wo ich das Wochenende mit einem Freund aus München verbringen werde, der gerade ein Projekt an der Uni in Porto gemacht hat. Nächstes Wochenende gehts dann nach Madrid und schon ist es nicht mehr weit bis zu den Fallas =)

Montag, 21. Dezember 2009

Home sweet home

So schnell kanns gehen und schon bin ich wieder dahoam. Am Samstag und somit zum Glück noch vor dem großen Schnee bin ich gelandet, nachdem ich 12 Stunden unterwegs gewesen bin. Da ich mir ein paar Euro sparen wollte, bin ich nämlich von Alicante nach Memmingen geflogen. Wollte herausfinden, ob die aufwändige Reise und die Nacht ohne Schlaf das Geld wert sind. Sie sind's nicht.

Das zweite Adventswochenende war dank zweier Feiertage ein bisschen länger in Spanien, was ich genutzt habe, um einen Komilitonen aus München in Granada zu besuchen. Da ich mir auch mal überlegt hatte, dort meinen Spanienaufenthalt zu verbringen, war es eine Art Besuch in einer alternativen Welt. Tatsache ist: die Stadt ist atemberaubend schön und es lässt sich dort wesentlich günstiger leben als in Valencia. Eine weitere Tatsache ist allerdings, dass sich nie herausfinden lässt, was gewesen wäre wenn und dass es sich meistens nicht lohnt, allzu aufwändig darüber nachzudenken. Auf jeden Fall hatte mein Wochende im Kauderwelsch-Land den Vortei, dass ich jetzt auch Spanier verstehe, deren Äußerungen mir immer ein Rätsel waren.

In Andalusien wars mal anständig kalt und zurück in Valencia hab ich mir als erstes eine Heizung zugelegt. Mit Schal und Mütze bin ich also durch die bezaubernde Altstadt Granadas gelaufen, durch die beeindruckenden Gärten der Alhambra und in jede Tapas-Bar, die einen Besuch wert ist. Tapas in Granada bedeutet, dass man ein vollständiges Abendessen inklusive bekommt, während man sich auf ein paar Bierchen trifft.

Mit dem Nachtbus ging es dann wieder die acht Stunden zurück in den Norden. Die nächtliche Reise war eigentlich eine gute Idee; was ich allerdings nicht beachtet hatte war, dass der Bus jede Stunde in irgendeinem Kuhdorf hält und sich der Fahrer bester Mühe gibt, alle Reisenden aufzuwecken, um sie über dieses Ereignis zu informieren. So wird nicht mehr als ein stundenweiser Schlaf zugelassen, und dass auch nur wenn die Straßen nicht zu kurvig sind.

Um sieben Uhr morgens in Valencia anzukommen hat jedoch den Vorteil, dass man sich den Sonnenaufgang am Strand anschauen kann. Mit den besten und reichlichst belegten Bocadillos der saßen wir also am Mittelmeer und starrten gebannt Richtung Osten bis die Sonne ihre ersten zaghaften Strahlen auf den Sand warf. Auch wenns recht kalt, ein einmaligen Erlebnis.

Die Woche drauf hatte ich meine erste komplett eigenständige Präsentation auf spanisch. Es lebe der Ersamus-Bonus! Außerdem einige Chor-Auftritte. In einer gut besuchten Kirche, einem mittelmäßig besuchten Veranstaltungssaal der Uni und sogar im Kindergarten haben wir gesungen.

Jetzt hat mich der Schnee wieder, un der Glühwein, und die Lebkuchen und alle die Dinge, die in den letzten Wochen tatsächlich zu vermissen begonnen habe (vor allem ein bequemes, nicht zu kleines Bett und eine ordentliche Heizung). Das Gefühl, lange weg gewesen zu sein hat sich allerdings nicht wirklich eingestellt. Das einzig merkwürdige ist, dass auf der Straße alles Menschen deutsch reden.

Damit verbleibe ich und wünsche noch allen ein schönes und genußvolles Weihnachtsfest und einen guten Start ins nächste Jahrzehnt!