Mittwoch, 3. März 2010

Empezó!

Das schmälst (bayr.: schmalste) Haus der Welt steht wohl in Valencia. Ein bisschen mehr als ein Meter. Hab ich jetzt nicht nachgeschaut ob das stimmt...

Lissabon

.. war mal sehr dezent. Ich habe mich sofort in die kleinen Straßenbahnen verliebt, die durch lächerlich kleine Gassen eine beeindruckende Steigung überwinden. Ansonsten bietet die Stadt ein komplett chaotisches Altstadtlabyrinth aus dem achten Jahrhundert; ein freistehender 50m-Aufzug, der ins den höhergelegenen Stadtteil führt; eine gothische Kirchenruine, die zur nur zu einem Viertel wieder aufgebaut wurde; eine Ungetüm von einer Autobahnbrücke mitten durch - bzw. über - der Stadt; ein verkehrsberuhigtes Viertel mit rechtwinkligen Straßen und einer Bar in jedem Haus; und eine gut erhaltene Burgruine inklusive verschlugenen Mauer-Pfaden, wie Kaninchen schlafende Katzen und Pfauen; und komplett weiß gepflasterten Gehwegen.
Das einzig nervende ist, dass man tags- wie auch nachtsüber in jeder zweiten Straße alle 20 Meter von einem teilweise recht penetranten Junkie belästigt wird: "Haaaaaaschhhhh? Crack? Women?"



Wenn man erst mal herausgefunden hat, welche Straßen das sind und sich dann von ihnen fern halten kann, gibt es überhaupt gar nichts mehr (nicht mal 6° und Regen), was einem davon abhalten kann, diese Stadt zu genießen. Hab meinen ersten Nachmittag in den verschlungenen Gassen von Alfama verbracht, wo die Häuser wirken, als seien sie gewachsen statt gebaut worden. Am Abend kam dann Hannes aus Porto an und wir haben nach Erkundung der portugiesischen Küche extrem-barhopping im Chiado gemacht, welches dafür ein unvorstellbar großes Angebot bereithält. In einer von diesen haben wir dann zwei Schweizerinnen kennengelernt, die den gleichen Sport betrieben und sich uns anschließen. Und wie's einem manchmal so spielt, führte unser Weg ausgerechnet als nächstes zur "Heidi" Bar. Komplett Holz-vertafelt, mit Kunstgras an den Wänden nebst einem 5x5m Gemälde des Matterhorns. Anlässlich des Karnevals haben auch noch die meisten Besucher in bizarren Heidi-Kostümen, was alles genügend Grund war, um dort den Rest des Abends zu bleiben.


Dann erst mal ausgeschlafen und das überraschend gute Wetter für einen ausgedehnten sechsstündigen Spaziergang zum "Denkmal der Entdeckungen" genutzt. Dabei sind wir wirklich mal quer durch die ganze Stadt gelaufen und haben so Lissabon außerhalb des Touri-Zentrums als eine unheimlich gemütliche Stadt kennengelernt. Dann noch eine Pause in der Sonne am Flussufer, einen Bekannten aus Barcelona getroffen und zurück mit dem Bus für eine sehr gemütliche Rundfahrt in einer dieser kleinen Holz-Straßenbahnen.
Am Abend hat und dann unser plötzliches Verlange nach Noodles und Google Maps in das wohl geilste Restaurant Lissabons geführt, das einfach mal genau extakt das hatte, wonach es uns beiden war. Und dazu auch noch unglaublich gut, sodass wir am Sonntag Abend gleich nochmal hin sind ;)
Anschließend natürlich wieder ins Chaido, wo noch unzählige unerforschte Bars auf uns warteten. Dank des ausbleibenden Regens war es aber sehr schnell sehr viel lustiger, das Bier mit raus auf die Straßen zu nehmen, die komplett voll mit Karnevals-Narren waren. Sogar den Schweizern sind wir wieder über den Weg gelaufen. Zufällig (oder Hannes?).


Den Sonntag haben wir dann hauptsächlich auf der Burg "Sao Jorge", welche mitten in der Stadt steht und wo man auch dem zurückgekehrten Regen verzeihen konnte. Anschließend durch Alfama geschlendert und dann vor dem allzu starken Regen in einem recht stylischen Café versteckt. Und weil es einfach nicht aufhörte sind wir den Abend in einer gemütlichen Jazz-Bar geblieben bevor es am näcshsten morgen zurück ging.

Madrid

Nach einer seeeehr gemütlichen Woche habe ich dann das nächste Wochenende in Madrid verbracht, wohin ich eine Gruppe von Kunst-Studenten begleitet habe, die dort wegen der Arco, einer Messe für zeitgenössische Kunst hin sind. Auch hier allerdings kein Glück mit dem Wetter. Vor allem im Vergleich zu Lissabon haben die sehr breiten Straßen mit ihren monumentalistischen Gebäuden schwer beeindruckt. Außerdem die Stadt der 1001 Museen und einem wunderschönen Park inklusive Ruderboote-See.

So sind wir den Freitag Nachmittag durch die Stadt gelaufen und ich habe das erste Mal "Churro con Chocolate" probiert, was es auch in Valencia gibt, aber wofür Madrid bekannt ist. Das Zeug ist der absolute Hammer. Das war die dickste Schokolade, die ich jemals getrunken habe. Bei uns würde das eindeutig unter Pudding laufen. Aber soooooo gut. Am Samstag dann das erste mal auf einer Kunstmesse. Hat mir nicht schlecht gefallen. Dachte allerdings, dass zeitgenössische Kunst gleichbedeutend mit schrill, ausgefallen und schockierend ist. Das war allerdings eher die Ausnahme und es gab viele Stücke, die mir wirklich gut gefallen haben (Fotos folgen).
Den restlichen Samstag habe ich die Sonne im Park genossen und am Abend die Bar-Landschaft Madrids erkundet. Das Wetter Sonntag hat dann mich dann schnell zum Ausschlafen überredet, wodurch ich dann nicht mehr Zeit hatte, als mir die Nachbarschaft des Hotels anzuschaun bevor der Bus ging. Das lag ein bisschen weiter draußen und ich habe wie in Lissabon gemerkt, dass es hoch interessant ist sich die Städte auch außerhalb des Zentrum anzuschauen.

Vorbeb
en

Bis zu den "Las Fallas" - dem mit Abstand größten Fest in Valencia, über das ich sicher noch ausführlich berichten werde - sind es zwar noch drei Wochen hin, aber die täglichen "mascletas" (eine "Synphonie" aus Feuerwekskrachern) beginnen schon einen Monat vorher und am Sonntag gabs sowas wie ein Kick-Off. "Schau ich mal hin" hab ich mir da gedacht und bin um kurz nach sechs hin. Der Turm war auch hübsch beleuchtet und ein paar Leute waren auch schon da und haben der gute-Laune-Cover-Band zugehört. Ich habe mir einen gemütlichen Platz auf der Mauer gesucht und das Spektakel beobachtet. Überall waren Gruppen in gleichen Farben um einen Banner versammelt, die besonders viel Spaß hatten. Der Zustrom von Menschen war beachtlich und blieb es für zwei Stunden. Ohne es zu bemerken befand ich mich plötzlich in einem See von Menschen. Sicher um die 20 tausend. Alle am feiern. Dicht gedrängt. Mit jedem Ausruf der Ansprachen in wildem Gejubel ausbrechend. Und da ich eigentlich keine andere Massenveranstaltung als die Wiesn kenne war das einfach mal das beeindruckendste, was ich in dieser Richtung je gesehen werde. Ich bin mal sehr gespannt auf die nächsten Wochen.



Nerd-Alert

Das war jetzt schon ne Menge Text, aber vielleicht ist ja jemanden aufgefallen, dass ich ausschließlich meine letzten drei Wochenenden erzählt habe und über die dazwischenliegenden Wochen sehr wenige Worte verloren habe. Eigentlich hätte ich mich ja um mein Studium kümmern sollen. Also Fächer anerkennen lassen. Diplomarbeitsbetreuer suchen usw. Das alles habe ich nicht gemacht. Statt dessen habe ich fast jede freie Minute, die ich hatte in die Verwirklichung einer Idee investiert, von der ich in den letzten Tagen regelrecht besessen war. Bis dahin, dass ich an nichts anderes denken konnte. Nicht schlafen konnte. Davon geträumt habe. Das hat es dann wohl endgültig entschieden. Im tiefsten inneren meiner Seele bin ich ein unglaublicher Nerd. Andere Menschen verlieben sich in hübsche Mädchen, ich in eine nerdige Idee. Vielleicht gibt es ja irgendjemanden, der das nachvollziehen kann. Mich hat es auf jeden Fall sehr überrascht und ich habe so etwas nicht mehr erlebt, seitdem mich meine Schwester vor fünf Jahren angerufen hat und fragte ob ich grad Zeit hätte, um eine Webseite für ihren neuen Film zu machen.
Auf jeden Fall bin ich heute fertig geworden und habe dem Ergebnis den Namen Subber gegeben. In nächster Zeit werde ich erkundschaften, ob es zu irgendetwas taugt. Sollte ich zu diesem Schluss kommen, werde ich wohl nochmal darüber schreiben. Ansonsten waren es ein paar sehr intensive Tage.

Montag, 15. Februar 2010

Cuanto tiempo

Schon einen ganzen Monat zurück in Spanien und hab noch immer nichts von mir hören lassen... tztztz. Das wird hiermit jetzt endlich mal geändert. Könnte jetzt allerdings ein bisschen länger dauern...


Heimaturlaub
Über Weihnachten war über drei Wochen dahoam. Dachte, ich spar mir ein bisschen und bin von Alicante (150km südlich von Valencia) nach Memmingen geflogen. Wollt mal sehen ob sich's lohnt. Das tut es sich allerdings ganz und gar nicht. Auf der Hin- und Rückreise war ich jeweils 12 Stunden unterwegs. Das ist es einfach nicht wert. Nach unserem Chorauftritt der Feier desselbigen mit unglaublich leckeren Häppchen hab ich mich um kurz nach Mitternacht in den letzten Bus nach Alicante gesetzt. Dort um drei Uhr morgens angekommen, konnte ich mir zum Glück ein Taxi mit ein paar anderen Deutschen mit dem gleichen Ziel teilen. Das Allgäu hat mich dann mit weihnachtlichen minus zehn Grad (zwanzig weniger als in Valencia) und dicken Schneeflocken empfangen. Zum Glück war mein Bruder so nett, mich in "Munich-West" abzuholen, sonst wäre ich wahrscheinlich noch weit später als 12 Uhr mittags in meinem Zimmer angekommen.

Nach vier Monaten Spanien wieder nach hause zu kommen ist wahrhaftig ein sehr merkwürdiges Gefühl. Es war fast so, als wäre ich nie weg gewesen und die ganzen letzten Wochen nur ein langer Traum. Bis auf ein paar neue Fotos auf dem Fensterbrett war auch alles noch haargenauso wie ich es verlassen hatte.
Richtig merkwürdig wurde es dann erst, als mein Fahrrad wieder flott machte und in die Stadt fuhr für einen kleinen Geschenke-Marathon. Anscheinend war ich halt doch gewohnt, dass alle Menschen auf der Straße eine andere Sprache sprechen und ich eigentlich nie etwas von den Wortfetzen verstehe. Dadurch bin ich recht sensibel für Wortzfetzen in meiner Muttersprache geworden und war nun etwas überfordert. Es dauerte ungefähr eine Woche bis ich mich genügend desensibilisiert hatte um mich nicht mehr nach jedem deutsch-sprechenden Passanten umzudrehen.

Für den 22. hatte ich ein Klassentreffen organisiert. Ich hätte jeden für verrückt erklärt, der mir vor fünf Jahren gesagt hätte, dass ich sowas mal machen würde, aber durch die Ferne und da es jetzt eine halbe Dekade her ist, ich gerade mein Studium abschließe und blablabla hatte ich irgendwie das Gefühl, es könnte ganz lustig sein, die alle mal wieder zu sehen. Das habe ich dann nochmal heftig bezweifelt aber es war dann doch ein recht lustiger Abend. Eigentlich genauso wie die Abende in der Kollegstufe und es hat sich auch wirklich kein einziger von den Anwesenden nur ein bisschen verändert. Bis auf Harald, der fast keine Haare mehr hat und Magdalena, die ihre Piercings losgeworden ist.

Weihnachten dann in der Schweiz, wo es Heiligabend tatsächlich geregnet hat. Das wurde aber schnell zu sehr dezentem Schnee, den ich drei Tage lange ausgiebig genossen habe. Silvester in Berlin. Der 30. war mit einer mehrstündigen Schneeballschlacht mal wieder sehr viel lustiger als der 31., an dem ich herausgefunden habe, dass es auch Berliner gibt, die sich wie Münchner aufführen.

Neujahr habe ich mich sehr gefreut, fast zwei Wochen in meiner Lieblingsstadt zu verbringen. War viel im Englischen Garten, zweimal Skifahren, einmal Schlittenfahren, habe den Winter genossen und überhaupt nicht an meine Prüfungen gedacht, die mir bevorstanden.



Die letzen
Von denen hatte ich nämlich zwei zu schreiben, zwei Arbeiten abzugeben und ein Projektpraktikum abzuschließen. Ich komme natürlich nicht umhin zu bemerken, dass es sich bei besagten um die letzten Prüfungen meines Diplomstudiums handelten. Dazu musste ich sie allerdings auch bestehen, was mich dazu gezwungen hat, dass ich den gesamten restlichen Januar, wenn nicht in einer Chorprobe, in meinem Zimmer verbrachte.
Hat sich allerdings ausgezahlt. Mittlerweile habe ich alle Noten beisammen und auch eigentlich ganz ordentlich abgeschnitten bis auf eine 4. Das ist eine 5 von maximal 10 Punkten im spanischen Notensystem. Das "ganz ordentlich" bezieht sich übrigens ebenfalls auf dieses System, was sich bei weitem nicht linear ins deutsche übertragen lässt, da der Noten Durchschnitt hier generell geringer ist und ab 8 Punkten stark differenziert wird.
Jetzt muss ich also "nur noch" die Fächer an der TU anerkannt bekommen und noch ein Betreuer hier für meine Doplomarbeit finden. Ich München hab ich schon einen aber hier stehe ich damit noch ziemlich am Anfang.

Lieder aus dem Wald
Von den erwähnten Chorproben gab es übrigens reichlich. Da wir nur etwas mehr als drei Wochen hatten, um Sosztakovics "Waldlied" (Canto de los bosques) einzustudieren haben wir uns jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag zwei bis drei Stunden dem trällern gewidmet. Immerhin ging es hier darum, sich auf ein Konzert im Palau de la Musica vorzubereiten, wobei es sich um den wichtigsten Konzertsaal Valencias handelt.
Dort aufzutreten war dann tatsächlich erinnerungswürdig. Unterstützt wurden wir vom Chor, Kinderchor und Orchester des Konservatotiums womit wir ein stattliche Größe besaßen. Der Saal war voll und da ich mich in der Zwischenzeit in die russischen Klänge eingehört hatte, konnte ich das Konzert richtig genießen. Ich musste außerdem dran denken, wie ich im Oktober auf genau dem gleichen Platz als Zuschauer saß und mir dachte, dass ich normalerweise singe, wenn ich hinter dem Orchester sitze, aber wahrscheinlich nie in diesem Saal singen werde.

Und da das anscheinend noch nicht genug war, sangen wir außerdem eine Messe in dem kleinen Dorf Bocairent, welches wildromantisch mitten in den Bergen auf der Spitze eines kleines Hügels liegt. Dort feierte man den Schutzpatron des Dorfes Sant Blas. Das ist dort der wichtigste Feiertag des Jahrs und so verkleidet sich das ganze Dorf nach verschiedenen Gruppen mit jeweils den gleichen mittelalterlich-knallbunten Kostümen. Alle Straßen und die ganze Kirche waren somit enorm farbenfroh und von Massen ausgefüllt und ich habe meinen ersten spanisch/valencianischen Gottestdienst erlebt.


Kleine Auszeit
Seitdem gönne ich mir meine "Semesterferien". Tatsächlich gingen die Vorlesungen letzte Woche schon wieder los. Bin aber zuversichtlich, dass ich meine Fächer anerkannt bekomme und widme mich daher aussschließlich meiner Diplomarbeit.

Und gerade bin ich in Lissabon angekommen, wo ich das Wochenende mit einem Freund aus München verbringen werde, der gerade ein Projekt an der Uni in Porto gemacht hat. Nächstes Wochenende gehts dann nach Madrid und schon ist es nicht mehr weit bis zu den Fallas =)

Montag, 21. Dezember 2009

Home sweet home

So schnell kanns gehen und schon bin ich wieder dahoam. Am Samstag und somit zum Glück noch vor dem großen Schnee bin ich gelandet, nachdem ich 12 Stunden unterwegs gewesen bin. Da ich mir ein paar Euro sparen wollte, bin ich nämlich von Alicante nach Memmingen geflogen. Wollte herausfinden, ob die aufwändige Reise und die Nacht ohne Schlaf das Geld wert sind. Sie sind's nicht.

Das zweite Adventswochenende war dank zweier Feiertage ein bisschen länger in Spanien, was ich genutzt habe, um einen Komilitonen aus München in Granada zu besuchen. Da ich mir auch mal überlegt hatte, dort meinen Spanienaufenthalt zu verbringen, war es eine Art Besuch in einer alternativen Welt. Tatsache ist: die Stadt ist atemberaubend schön und es lässt sich dort wesentlich günstiger leben als in Valencia. Eine weitere Tatsache ist allerdings, dass sich nie herausfinden lässt, was gewesen wäre wenn und dass es sich meistens nicht lohnt, allzu aufwändig darüber nachzudenken. Auf jeden Fall hatte mein Wochende im Kauderwelsch-Land den Vortei, dass ich jetzt auch Spanier verstehe, deren Äußerungen mir immer ein Rätsel waren.

In Andalusien wars mal anständig kalt und zurück in Valencia hab ich mir als erstes eine Heizung zugelegt. Mit Schal und Mütze bin ich also durch die bezaubernde Altstadt Granadas gelaufen, durch die beeindruckenden Gärten der Alhambra und in jede Tapas-Bar, die einen Besuch wert ist. Tapas in Granada bedeutet, dass man ein vollständiges Abendessen inklusive bekommt, während man sich auf ein paar Bierchen trifft.

Mit dem Nachtbus ging es dann wieder die acht Stunden zurück in den Norden. Die nächtliche Reise war eigentlich eine gute Idee; was ich allerdings nicht beachtet hatte war, dass der Bus jede Stunde in irgendeinem Kuhdorf hält und sich der Fahrer bester Mühe gibt, alle Reisenden aufzuwecken, um sie über dieses Ereignis zu informieren. So wird nicht mehr als ein stundenweiser Schlaf zugelassen, und dass auch nur wenn die Straßen nicht zu kurvig sind.

Um sieben Uhr morgens in Valencia anzukommen hat jedoch den Vorteil, dass man sich den Sonnenaufgang am Strand anschauen kann. Mit den besten und reichlichst belegten Bocadillos der saßen wir also am Mittelmeer und starrten gebannt Richtung Osten bis die Sonne ihre ersten zaghaften Strahlen auf den Sand warf. Auch wenns recht kalt, ein einmaligen Erlebnis.

Die Woche drauf hatte ich meine erste komplett eigenständige Präsentation auf spanisch. Es lebe der Ersamus-Bonus! Außerdem einige Chor-Auftritte. In einer gut besuchten Kirche, einem mittelmäßig besuchten Veranstaltungssaal der Uni und sogar im Kindergarten haben wir gesungen.

Jetzt hat mich der Schnee wieder, un der Glühwein, und die Lebkuchen und alle die Dinge, die in den letzten Wochen tatsächlich zu vermissen begonnen habe (vor allem ein bequemes, nicht zu kleines Bett und eine ordentliche Heizung). Das Gefühl, lange weg gewesen zu sein hat sich allerdings nicht wirklich eingestellt. Das einzig merkwürdige ist, dass auf der Straße alles Menschen deutsch reden.

Damit verbleibe ich und wünsche noch allen ein schönes und genußvolles Weihnachtsfest und einen guten Start ins nächste Jahrzehnt!

Sonntag, 29. November 2009

Erster Advent

Kann's nicht glauben, dass wir hiermit schon wieder offiziell in der Adventszeit sind. Das Jahr hat doch grad erst angefangen! Dafür ist hier heut ein richtig herbstlicher Sonntag an dem man gar nicht das Haus verlassen will weil's nur stürmt und nieselt. Also lass ich's und werd mir lieber später Casablanca auf spanisch reinziehen.

Letztens hab ich mein spanischen Kochbuch ausprobiert. War irgendwie doch überrascht, dass ich kein einziges Gericht mit Pasta gefunden habe. Das ist mal eine gravierende Umstellung meines Diät-Planes. Hab mir dann "Judías verdes con níscalos" ausgesicht, was aussah wie Bohnen mit Rindergeschnetzeltem. Als ich allerdings in der Fleischabteilung nach "níscalos" fragte, wurde ich nur verständnislos angeschaut und an eine Kollegin verwiesen (also persönlich hinbegleitet und mit viel Lachen und Rufen vorgestellt als ein hilfloser Kunde), die irgendwie mit mir englisch reden wollte, ich aber kein Wort verstanden habe und auf spanisch bestehen musste. Die kannte die niscalos auch nicht aber eine ältere Dame, die daneben stand und zwangsläufig alles haargenau mitgekriegt hat, hat mich daraufhin zugetextet, dass sie die Dinger kennt und das seien so-und-so-Sachen aber die gibts hier nicht. Daraufhin musste allerdings ihr Mann lautstark einwerfen, dass es die sehrwohl gibt und er vorhin eine Schachtel gesehen hat aber nur eine. Daraufhin lief er los (ich wurde weiterhin von der Frau zugetextet) und kam mit einer Schachtel Pilzen zurück. Die sahen mit aber erstens nicht sehr bekömmlich aus und waren mit zweitens mit 12 Euro a bisserl zu teuer (scheint ein Gourmet-Kochbuch zu sein). Das den beiden nach all ihren Mühen klar zu machen, brachte ich allerdings nicht übers Herz und so nahm ich die Pilze dankend an - und hab beschlossen, lieber doch Bohnen mit Rind zu machen.

Dafür bin ich jetzt in meinem Supermarkt bekannt und werde jetzt von den beiden involvierten Mitarbeitern mit einem breiten Lächeln begrüst und gestern sogar gefragt, ob ich was suche, als ich ein bisschen verplant hin- und herlief, weil sich die verdammten Oliven nicht finden wollten.
Wenigstens erging es mir nicht so wie einer Komilitonin, die in einem Gemüseladen eine harmlose Frage stellte und seitdem vom Besitzer mit dessen Sohn verkuppelt werden will.

In diesem Sinee: einen schönen ersten Advent an euch alle!

Montag, 23. November 2009

Mucho pasado

Ich werde erst gar nicht versuchen, alles zu beschreiben, was in den letzten drei Wochen passiert ist. Unter anderem habe ich eine knappe Woche Urlaub gemacht, weil ich von gleich zwei Besuchern aus der Heimat beehrt wurde.

Zuerst hat Julia vorbeigeschaut und wir haben eine ausführliche Stadt-Tour gemacht. Sind also an einem Tag mal quer durch die ganze Stadt gelaufen - und zwar wirklich durch die ganze. Inklusive Aussicht vom 60m (oder doch 300?) Kirchturm. Das Wochenende wars allerdings unheimlich windig weswegen man fast weggeweht wurde. Dafür sind auch mal Plastiktüten vorbeigeflogen. Abends dann mit Freikarten in ein Konzert in der Stierkampfarena. Bunte Mischung von Rock bis Schlager. Sonntag Mittag haben wir der Blaskapelle einer Komilitonin zugehört. Die bestand ungefähr aus 120 Musikern - ausnahmslos Bläsern. Hatte ich noch gesehen und fands sehr cool. Statt erster Geige gabs ne erste Klarinette. Leider wars danach ein bisschen zu windig um den Strand wirklich genießen zu können.
Am Montag haben wir dann noch einen Ausflug in das nahegelegene Naturschutzgebiet gemacht. Das besteht aus einem See und inheimlich vielen überschwemmten Felder. Weiß allerdings immer noch nicht, was da angebaut wird. Aber das war mal ein beeindruckender Sonnenuntergang.

Und am Mittwoch rief dann der Sebi an, dass er am Abend spontan nach Barcelona fliegt weil's dahin billige Flüge gibt. Und weil's von hier aus günstige Züge durch Valencia gibt bin ich dann auch kurzerhand in den Norden. Leider nur für einen Tag, weil ich am Freitag eine Projektvorstellung hatte aber das ist einfach ne geile Stadt.
Und während wir durch die Gassen wanderten und an den Massen an urgemütlichen Bars und Restaurants vorbei hab ich mich einige mal gefragt, warum ich eigentlich nicht nach Barcelona bin. Der Gedanke verflog allerdings wieder als wir am Freitag liefen. Ist halt doch ne feine Stadt hier. Haben uns die Innenstadt und den Stadtpark angeschaut und ich hab mal wieder ne ganze Menge neuer Sachen kennengelernt an Orten, wo ich dachte, dass ich schon alles gesehen hätte.
Am Samstag dann mal wieder in die Stierkampfarena. Diesmal allerdings für eine Lebensmittel-Messe. Zahlreiche kleinere Stände haben Spezialitäten aus allen möglichen Regionen Spaniens angeboten. Der Haken war allerdings, dass diese Spezialitäten fast ausschließlich aus Schinken, Käse und Wein bestanden, allerdings kein Brot oder ähnliches angeboten wurde.

Am Sonntag gings fürn Sebi allerdings auch schon wieder zurück und ich musste den Rest der Woche mit dem Aufholen meiner Urlaubsversäumnisse beschäftigen. War außerdem eine sehr kulturreiche Woche. Dienstag Chorporbe, Mittwoch wunderschönes Klavierkonzert im Palau de las Musica, Donnerstag Theater "3 Sombreros de Copa", Freitag wieder in den Palau für das valencianische Sinfonieorchester, und Samstag Saxophon-Quartet. Man bildet sich also ;)

Sonntag dann endlich mal wieder Fußball gespielt. Diesmal auf Kunstrasen. Aber sehr taugsam. Und jetzt geht grad meine überraschend geschenkte Freistunde zuende, die ich sehr in der Sonne genossen habe (die sich eh grade hinter eine Palme versteckt).

Hasta luego, Nikolas

Montag, 2. November 2009

Senderismo

Endlich muss ich nicht mehr befürchten, dass ich meine Wanderschuhe umsonst mitgeschleppt habe. Am Samstag haben wir uns zu viert ein Auto gemietet und sind damit eineinhalb Stunden westlich zu einem Stausee gefahren um uns dort etwas die spanische Natur anzuschauen.

Die günstigste Autovermietung befindet sich in der Nähe des Flughafens, wohin ich Samstag in aller Herrgottsfrüh (um acht!) mit meinem Roller auf den Weg gemacht habe. Leider hatten wir keine Adresse weswegen ich dem vom Flughafen fahrenden Shuttlebus verfolgen musste und dabei die Höchstgeschwindigkeit meines Zweirads ausreizen durfte. Mit dem Ford Fiesta gings dann das erst für mit vier Rädern in den valencianischen Straßenverkehr. Das Abhandensein von Fahrspuren auf Kreuzungen und in Kreisverkehren (und auch sonst an allen möglichen Stellen) geht einem noch mehr ab, wenn man eine ganze ausfüllen würde. Besonders verwirrend sind die Kreuzungen, deren Straßen auf der eine Seite drei, und auf der anderen seite vier Spuren haben, sodass man plötzlich zwischen zweien fährt.

Gegen Mittag und nachdem wir uns bei eine Touristeninfo mit Kartenmaterial zugedeckt hatten und einer halbstündigen Fahrt durch ein absolutes Nichts, haben wir dann ein kleines Bergdorf mit 500 Einwohnern und Burg erreicht, wo unsere auserwählte Route startete. Meine Vorstellung von wie eng und steil Straßen sein können um gerade noch mit einem Kleinwagen befahrbar zu sein erfuhr allerdings eine enorme Ausdehnung.

Die Strecke war sehr beeindruckend, abwechslungsreich und zum Glück nicht allzu anstregenden, da die Temperaturen immernoch sommerlich sind und wir wegen einem Missverständnis zu wenig Wasser dabei hatten. Die Landschaft bot alles von verdörrten Feldern über strüppige Hänge bis zu üppig grünen Flusstälern mit gelb strahlenden Bäumen. Außerdem habe ich gelernt, dass Mandeln wie Blätter an Bäumen wachsen, von denen wir einige gefunden und uns an ihren Früchten bediehnt haben.

Der Rückweg verlief dann etwas entspannter auf einem breiten Feldweg, sodass man nicht mehr unterunterbrochen über Steine balancieren musste. Nach einem kleinen Querfeldein-Abschnitt - da die Markierung auf einen Pfad verwies, der nach ein paar Metern an einem strüppigen Hang endete - kamen wir wieder an den Fluß, dem wir auch auf dem Hinweg ein Stück gefolgt sind. Sein blau sah so unglaublich einladend aus, dass wir kurzerhand an einer ruhigen Stelle reingesprungen sind. Nach einem ganzen Tag schwitzen ist das eine unglaublich herrliche Erfrischen, auch wenn ich seit Norwegen nicht mehr in so kaltes Wasser gesprungen bin, dass nicht mehr einfach kalt war sondern weh tat.

Nachdem wir uns dann wieder abgetrocknet und angezogen hatten bemerkten wir allerdings, dass der schöne breite Feldweg nach 10 Metern hinter der nächsten Kurve urplötzlich auf einem Acker endete, welcher von eine Flußbiegung begrenzt wurde, womit wir in einer richtig Sackgasse steckten und umkehren mussten. Die Stelle zu finden, wo wir falsch abgebogen sind war nicht sehr schwer, aber die Sonne war bereits hinter den Bergen verschwunden, als wir noch im Fluss waren und es begann rasch dunkler zu werden. Mit der allerletzten Helligkeit und unterstützt von einem gelben Vollmond fanden wir zurück zu Auto. Eine viertel Stunde später war es stockfinster.

Leider war das Abenteuer noch nicht zu ende, da ich beim Versuch, das Dorf auf dem gleichen Weg zu verlassen herausfinden musste, dass man nicht alle von beiden Seiten befahren kann (man aber glaube ich schon). Bei einer 90°-Kurve bei gefühlten 100% Steigung war für den Fiesta schluss und die Reifen drehten beim Anfahren durch, weswegen ich wohl oder übel rückwarts zurück musste. Zum Glück fanden wir dann noch eine etwas freundlichere Straße und erschöpft aber glücklich gings wieder nach Valencia.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Que hay

Seit heute gehört dasGefährt, welches mir in den letzten Wochen schon so viel Freude bereitet hat, endlich offiziell mir. Es bedurfte zwei weiterer Behördengänge und einem ganzen Buch an Dukomenten, allerdings diesmal unterstützt von Perre, der mir den Roller verkauft hat und dank dem ich nicht bei jedem Satz nachfragen musste. Gestern hat das Fräulein am Schalter eh hauptsächlich Valenciano gesprochen, wo's bei mir sehr schnell aufhört.

Am Wochenende ist hier tatsächlich nochmal der (für deutsche Verhältnisse) Hochsommer ausgebrochen und so hab ich das Wochenende hauptsächlich am Strand verbracht. Samstag Abend hat meine Mitbewohnerin groß eingeladen und so war die Bude voll mit vielen vielen Polinen, einigen Italienern, ein paar Spanieren und noch einige weitere Nationalitäten waren vertreten.
Anschließend hab ich mich dann das erste mal hier auf eine Botellon gewagt. Das nennt sich so, wenn sich ne Menge Leute des Nachts unter freiem Himmel treffen um was zu trinken. Dann bringt jeder eine oder mehrere weiße Plastiktüten mit, gefüllt mit Vodka, Gin und Co., den passenden Beigetränken, Eis und Pappbechern. Los gehts so um Mitternacht; die Ausrüstung muss allerdings vor zehn erstanden werden da hier nach zehn kein Alkohol mehr verkauft werden darf. Um zwölf kommen dann die Studenten hauptsächlich mit voll besetzten Autos an, dessen Musikanlagen dann natürlich voll aufgedreht werden und öfters auch mal ein Wettkampf um Lautstärke verursachen.
Ab drei zieht man dann allmählich in diverse Diskotheken weiter, wobei es durchaus normal ist, sich auch noch nach drei, vier Cubra Libre hinters Steuer zu setzen. Zurückgelassen wird dann ein unglaublicher Müllhaufen aus weißen Plastiktüten, Flaschen und Bechern, welche aber von der Stadt noch vor Sonnenaufgang beseitigt wird. Und das obwohl die ganze Sache komplett illegal ist, da man in der Öffentlichkeit nicht trinken darf.
Die größten Botellons sind immer Donnerstags, da kommen auch mal geschätzte 2000 Leute zusammen. Am Wochenende sinds dann 500-1000 Trunkenbolde. Natürlich kennt jeder jeden und sogar ich hab zwei Leute aus der Uni zufällig getroffen. Was mich aber am meisten überrascht hat ist, dass ich am ganzen Abend keinen einzigen Erasmus-Studenten getroffen habe.

Montag hab ich mit einer Komilitonin einen Radlausflug in den Norden gemacht. Da gibt es ein kleines Dorf namens Alboraya, wo angeblich die Horchate (Orxata de Xufes) ihren Ursprung hat. Das ist ein typisch valencianisches Erfrischungsgetränk aus Erdmandeln (chufas). Der Geschmack lässt sich leider mit absolut gar nichts vergleichen, was ich davor kannte. Es ist kalt, unglaublich süß und auch irgendwie ein bisschen bitter. Bin mir noch nicht sicher, ob's mir schmeckt.
Auf jeden Fall lässt sich die Umgebungs Valencias teilweise recht gut beradeln. Es gibt eigene Fahrrad-Straßen quer durch die Felder, wo man einen spätsommerlichen Nachmittag sehr gut genießen kann, wenn man sich von den Rauchschaden nicht ärgern lässt, die die Bauern mit ihrer etwas rabiaten Methode der Unkrautvernichtung verursachen.
Anschließend haben wir dann noch den Yachthafen Port Saplaya besucht, wohin der Weg allerdings abschnittsweise sehr schwierig war, besonders mit meinem Rennrad. Außerdem gibt es halt auch einfach Straßen, die plötzlich ohne Grund oder Hinweise in einem Feld enden.
Der Hafen selber wirkt wie Klein-Venedig. Er ist von unglaublich dicht und hoch gebauten Häuseranlagen umgeben, welche hauptsächlich Feriendomizile enthalten. An der Wasserfront stehen kleinere Häuschen - jedes in einer anderen Farbe.

Dienstag Abend war ich dann nach der Chorprobe das erste Mal in der Bar de los Montaditos Gratis, welche hier einen recht hohen Bekanntheitsgrad besitzt und sich genau unter meinem Zimmer befindet. Der Name beschreibt gleichzeitig das Geschäftsmodell, da man zu jedem Getränk für um die 1,50 ein Montadito, also kleine belegtes Brötchen dazu bekommt. Das ganze auch noch absolut genießbar und so bleibt die einzige Kehrseite das ungemütliche Neonlicht-Ambiente. Werd dort aber in Zukunft sicher noch öfters vorbeischauen.